Anfang der 90er Jahre verschwinden in Tokyo mehrere kleine Mädchen. Als eines der Kinder tot in einem Fluss aufgefunden wird, ist die Sorge um die anderen Mädchen groß. Kommissar Saeki und sein Kollege Okamoto nehmen die Ermittlungen auf.
Ein verzweifelter Vater kämpft mit einem Verlust und sucht Trost in einer Glaubensgemeinschaft. Dabei gerät er immer tiefer in deren Sog.
Ein japanischer Thriller war tatsächlich Neuland für mich. Schon der Aufbau der Handlung unterscheidet sich von den westlichen Thrillern, bei denen die Spannung schon nach wenigen Seiten spürbar ist. Hier jedoch gibt der Autor zunächst Einblicke in die Strukturen von Gesellschaft, insbesondere die des Beamtenwesens und der Polizeibehörde. Dies war zwar auf der einen Seite sehr informativ, aber Spannung lässt damit nun mal nicht erzeugen. Dementsprechend zäh war der Einstieg in das Buch. Wechselweise springt dann die Handlung zwischen den ermittelnden Beamten und dem nach Hilfe suchenden Vater hin und her. Anfänglich fragt man sich, wie diese beiden Erzählstränge zusammengehören. Doch dann festigen sich die Figuren immer mehr und so langsam beginnt man die Verbindung zu erahnen.
Ab diesem Zeitpunkt nimmt auch endlich die Spannung zu. Insbesondere die Auflösung fand ich nahezu genial und für mich total überraschend. Auch erkennt man erst am Ende, wie perfekt dieses Buch konstruiert ist und warum es einfach auf diese Weise erzählt werden musste.
Dass das Buch bereits 1993 geschrieben wurde, merkt kaum. Die Welt ist noch weniger digital, der Gang zum Münztelefon gehört noch zum Alltag. Überhaupt ist die Stimmung recht düster, ähnlich wie man es von skandinavischen Thrillern kennt.
Insgesamt war „Tokyo: Schwarzer Sommer“ ein sehr atmosphärischer Thriller, der zwar etwas schwer in die Gänge kommt, doch das Durchhalten lohnt sich auf jeden Fall.