Ein Roadtrip nach Berlin, eine Dokumentation über Schwarzes Leben in Deutschland und eine Entdeckung, die alles verändert.
„Kekeli“ von Jessica Mawuena Lawson / Verbrecher Verlag
Kekeli stellt sich immer wieder Fragen über ihre Familie, ihre Herkunft und ihre Geschichte.
Doch ihr Vater schweigt meist und zieht sich in seine Malerei zurück. Vieles bleibt unausgesprochen und Kekeli spürt, dass es da mehr geben muss, als sie bisher weiß.
Als ihre Cousine Afi aus Togo wegen einer Hochzeit nach Deutschland kommt, merkt Kekeli schnell, dass Afi über die Familie weit mehr weiß, als Kekeli je erfahren hat.
Gleichzeitig bittet ihr heimlicher Schwarm Kwame sie, bei einer Dokumentation über das Leben Schwarzer Menschen in Deutschland mitzuwirken. Gemeinsam mit der Organisation Pamoja Society, einer Gruppe afro-deutscher Jugendlicher, arbeiten sie an einem Filmprojekt.
Kekeli darf, zusammen mit Afi sowie den Brüdern Kofi und Kwame nach Berlin reisen.
Auf diesem Roadtrip lernen die vier jungen Menschen viel über Schwarze Geschichte in Deutschland, unter anderem über Gert Schramm, den einzigen schwarzen Häftling im KZ Buchenwald.
In Berlin macht Kekeli eine Entdeckung, die jedoch alles, was sie über ihre Herkunft zu wissen glaubte, plötzlich infrage stellt.
Während die vier an ihrer Dokumentation arbeiten, entwickelt sich zwischen Kekeli und Kwame eine zarte Verliebtheit. Afi verfolgt ganz eigene Pläne und Kofi, der charmante Frauenheld, sammelt unterwegs mit Leichtigkeit Telefonnummern.
Jessica Mawuena Lawson erzählt diese Geschichte in einer wunderschönen, flüssigen Sprache und bringt uns den Gefühlen, Fragen und auch den Rassismuserfahrungen Schwarzer Menschen in Deutschland sehr nahe. Gleichzeitig zeigt der Roman eindrücklich, was politische Entscheidungen und Abschiebungen mit Familien machen können und wie stark auch afro-deutsche Menschen von Geschichte und gesellschaftlichen Strukturen betroffen sind.
Kekeli ist eine unglaublich unterhaltsame und zugleich sehr wichtige Coming-of-Age-Geschichte. Der Roadtrip der vier Jugendlichen ist nicht nur informativ, sondern durch die leichte, lockere Erzählweise auch sehr lebendig und mitreißend. Besonders die sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte verleiht dem Buch trotz der ernsten Themen eine wunderbare Leichtigkeit.
Für mich ein Buch, das viel mehr Aufmerksamkeit verdient; unterhaltsam, berührend und lehrreich zugleich.
„Freiheit ist, wenn man sich über die Freiheit lustig machen kann.“ (Seite 87)
Was für ein Zitat, was eine Aussage! Dieser Satz hat mich tief berührt.
Herzlichen Dank an den Verbrecher Verlag für das Rezensionsexemplar (unbezahlte Werbung).