„Manchmal muss man einfach nur lächeln, atmen und schauen, was passiert.“
„Sommerliebe im kleinen Eisladen am Meer“ ist ein Liebesroman von Julia Rogasch. Er erschien im März 2026 im Ullstein Taschenbuch Verlag und ist unabhängig lesbar.
Der neuste Roman der Autorin entführt die Lesenden erneut auf die Herzensinsel Sylt. Genauer gesagt geht es ins Eismeer, den Eisladen von Ellen. Diesen hat sie vor vielen Jahren mit ihrem Mann Angelo eröffnet und nach seinem Tod alleine weitergeführt.
Für Luisa und Finn sind Ellen und das Eismeer ein zweites Zuhause. Seit Kindheitstagen verbringen sie regelmäßig Zeit bei Ellen und schon früh ist sie quasi die Ziehtante der beiden geworden. Obwohl Luise und Finn eine jahrelange Freundschaft verband, sehen sie sich bei einem von Ellen initiierten Wochenende das erste Mal nach vielen Jahren wieder. Der Kontakt war abgebrochen, die alte Freundschaft verloren.
Das Wiedersehen ist entsprechend geprägt von gemischten Gefühlen, welche man durch die wechselnde Ich-Perspektive der beiden beim Lesen gut nachvollziehen kann. Sie sind unsicher im Umgang miteinander, möchten Ellen ihren Wunsch nach gemeinsamer Zeit aber nicht abschlagen. Die langsame Wiederannäherung der beiden hat mir gut gefallen.
Finn war mir von Anfang an sympathisch denn obwohl Luisa ihn für einen Weiber- und Partyhelden hält, hat er seine „wilde“ Zeit längst hinter sich gelassen. Er ist erwachsen geworden, bedachter, ernster und keinesfalls gedankenlos. Ihn umgibt eine gewisse geheimnisvolle Aura, seine Handlungen sind teilweise nicht ganz durchschaubar. Gerade sein Umgang mit Luisa und Ellen ist aber insgesamt sehr bedacht und mit Luisa auch sehr vorsichtig und unsicher. Keinesfalls möchte er sie erneut verletzen, gleichzeitig spürt er in ihrer Gegenwart die alte Vertraut- und Geborgenheit.
Auch Luisa geht es ebenso, doch viel energischer als Finn kämpft sie gegen ihre Gefühle an. Sie will nicht erneut verletzt werden und versteckt sich hinter einer Maske aus Distanziertheit und Ablehnung. Ich konnte mich daher mit ihr weniger gut identifizieren, ihr Handeln erschien mir häufig festgefahren in negativen Denkmustern und fokussiert auf schlechte Dinge/Erwartungen.
Trotzdem mochte ich die Geschichte der beiden sehr und habe ihr Wiedersehen unglaublich gern verfolgt. Die Entwicklung verläuft dabei langsam und entgegen der Beschreibung auf dem Klappentext spielt ein Großteil der Handlung bereits vor Ellens Tod. Man taucht ein in das wunderschöne Setting, lernt Sylt und die Figuren besser kennen und kann sich in Marmeladenglasmomenten treiben lassen.
Julia Rogasch schafft es dabei den Fokus auf das bewusste Wahrnehmen von Erlebnissen zu legen und unglaubliche Naturschauspiele in die Handlung einzubinden. Am liebsten möchte man sofort nach Sylt reisen und die Orte selbst besuchen.
Ein bisschen Wehmut und Traurigkeit bleiben natürlich auch in diesem Roman nicht aus, die Trauer bildet aber keinen starken Schwerpunkt und wird gut in die Handlung eingebunden, ohne zu belasten.
Anders als in anderen Romanen der Autorin gibt es in diesem Fall keine völlig unerwartete Überraschung am Ende, was mir aber ebenfalls gut gefallen hat. Der Roman kommt nämlich völlig ohne eine solche Wendung aus und hat mich absolut überzeugt.
Insgesamt gibt es von mir daher wieder einmal eine klare Leseempfehlung und 5 von 5 Sternen. Lasst euch fallen in einen Liebesroman vor traumhafter Kulisse und zu Herzen gehender Handlung!